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erinnern - gestalten - bewahren

Ria die Murra

Dichtung aus Schwaben 

Von früh bis ling

früh das Jahr blinzelt
früher sonnig
frühes kitzeln
keimt wie wonnig

 

tut bunt vögeln
junges Ding
wächst es quirlig
zum Frühling

(2018)

 



An d´ Freid


Freid du schönes Herrgottsfunkla,

S´ Töchterle vom Sternenzelt

Wir betretat offaherzig,

Himmlische dei glücklich Welt,

deine Strahla brengat zamma,

was die Eitelkeit zerteilt,

elle Leit in Arm sich nemmat

wo dei sanftes Funkla weilt.

(Ria die Murra, Dezember 2017)

(Schwäbische Übersetzung „An die Freude“ von Friedrich von Schiller, erste Strophe, später Fassung von 1808; Dezember 2017)

Die Idee kam mir, als ich an einem grauen Novembervormittag mit herrlich duftigen Weckla, in Begleitung meiner stets fröhlichen Hundes „Frodo“ vom Bäcker heimgelaufen bin.  

sanfte segel
 
das leben ätzt mich vehement
die galle spuckt, der magen brennt
doch wie es mich in stücke hackt
lichte wege giftvoll zackt
werd dem monster tanzend trotzen
farbklangfalter zartprall strotzen
sanfte segel vorwärts klingen
um ihm ein lächeln abzuringen


Geschwätz
 
Hartgummiworte lärmen aufs Glasdach
DOING DOING DOING DOING ...
What do you doing ?!

Freiheit ist auch


Freiheit ist

Die Konsequenzen tragen

Deiner Entscheidung

Der Möglichkeiten blöd und saublöd, weil Dir grad nix Besseres eingefallen ist

Im Wahllokal

Only Sau oder Eber, Kata oder Strophe

Für witzige Abwechslung sorgt

Die Wetterprognose Rückenwind

Dir heftig ins Gesicht peitscht, weil Du Dich in die falsche Richtung gestellt hast

Ist auch Freiheit

Februar 2018


MISSVERSTÄNDNIS


M it seinem Auto fährt er

I rgendeine Straße entlang

S ie kommt ihm mit ihrem Wagen die

S elbe Straße entgegen

V oll in Fahrt kurbelt sie

E ifrig das Seitenfenster herunter und

R uft: Schwein!

S ogleich lehnt er sich

T otal erstaunt

A us dem Fenster und

E rwidert ihr

N achdrücklich: Zicke!

D ie beiden fahren weiter

N ach hundert Metern biegt er

I n die Seitenstraße und prallt voller Wucht gegen ein -

S chwein 

Der eitle Frosch

Es lebt im Moor ein eitler Frosch
Der lobt sich sehr, bis auf die Gosch
Weil er nun Fotos von sich liebt
Der Fotograf den Rat ihm gibt:
Fürs süße Mäulchen wunderbar
Sag "Konfitüre" in die Kamera
Er wässert, putzt und scheitelt sich
Find` sich unverbesserlich
Der Knipsmann ruft ihn an den Ort
Frosch kommt sogleich und denkt: das Wort?
Es war was Süßes, das ist klar
Und fertig ist die Kamera
Der Frosch possierlich zur Parade
Im klick - im Blitz- ruft "Marmelade"

Sommerschwitze  

Hitze Hitze
Schwitze Schwitze
Flitze Hüpfe
Sommerpfütze
Coole Sule
Wohle Fuhle
Hmmm Eis Eis
Runterschmeiss...
SO´N SCHEISS  

Gedicht: SommerschwitzeVariation von Rita die Murra

 

Billys Malheur 

Billy schlendert um die Hecken
Hände in den Taschen stecken
Der Knabe ist in bester Laune
Klebt Kaugummi am nächsten Zaun
Kunze, dem der Zaun gehört
kommt ums Eck und guckt verstört
„Du Rotzbua, Lümmel, Lausbub, Tropf!“
brüllt Kunz und reist Bills Mütz vom Kopf
„Verschandeltst mir mein Zaun gar sehr,
Dein Mützzeug kriegst jetzt nimmermehr!“
Oh je, oh Kraus oh Riesenschreck
Läuft Billy fliehend ins Versteck
Jetzt klotzt der Junge und denkt: „Grass!
Mein bestes Stück, warum nur das?!“
Er will sie wieder irgendwie
Grübelt, denkt: welch Strategie?
Da kommt ihm ein Gedanke her
Der Kunze liebt sein Zeugs so sehr
Ob Garten, Auto oder Haus
Verhätschelt er Tag ein , Tag aus
Billy will ihm eines basteln
DIE Maschine zum entlasten
Auto waschen, Rasen mähen
Zaun anstreichen, Blumen säen
Und Billy hat nicht lang gefackelt
In die Werkstatt er schnell zackelt
Hebel, Drähtchen, Farbe, Brett
Ruck-Zuck ist die Maschin komplett
Sehr stolz auf sein Gebilde nun
Will er es schnell zu Kunze tun
Er stellt den Knopf ganz fix auf : AN
Quitsch, Ächts und Stöhn beginnt´s sodann 
Der Kunze kommt und sieht´s erregt
Was die Maschin vorm Haus bewegt
Sich langsam zu dem Auto schleicht
Und dies mit weißer Farb anstreicht
Und dann, oh schreck fährt sie grad weiter
Schäumt ein den Rasen immer heiter
Als nächstes haut sie nicht zu knapp
Den Tulpen alle Köpfe ab.
Oh nein, denkt Billy, Riesenkrauss
Ich muss es stoppen und drückt: AUS
Mit roter Birne will er fliehen
Sich schneller Kunzes Blick entziehen
Wie er will schnappen seinen Kasten
Hurtig um die Ecke hasten
Hört er des Kunzes Stimme schrein
„Bleib doch stehn, Bub, halte ein!
Deine Mütze geb ich Dir
Selten lacht ich so wie hier!“

Flügel?
   Flügel!

bin ich oder nicht
das wälz ich hin und her
schweig! sie beißend sticht
mach und lauf und mehr

es kleistert bös die Sinn
die fiese Hoheit lähmt
im Folge! Kerker drin
Angststarre mich beschämt

zu mir herab dich biege
kichert´s aus der Ecke
damit dein Blut ich kriege
- wie töte ich die Zecke?!

halt ein, halt ein, halt ein
vor Hirngespinsten fliehe
darfst sein, darfst sein, darfst sein
mit deinen Flügeln ziehe!

ja ist wahr und nein
Vision befreit mit Sinn
Selbst - Bewusst - Sein
flieg davon  
ich bin!   

 

Ria die Murra, 9. April 2018 


An gnadenlose Bestimmer


Hast du immer Recht?

Ätsch, ich darf es anders sehen

Wird dein Günstling dir zum Knecht?

Und knitz dir lange Nasen drehn

 

Muss die Welt dein Image pflegen?

Ich husche fort und flieg geschwind

Darfst Ungehorsame in Ketten legen?

Hurra, es lebe der Gegenwind

 

Hast du wirklich Untertanen?

Bin Mitmensch, ebenbürtig ganz und gar

Muss man dein Bedürfnis ahnen?

Tun und Sein, nur das ist wahr 

 

Kannst du Lügen in Tatsachen plappern?

Oh liebe Sonne bring´s ans Licht

Bin ich nur ein Spielzeug zum Klappern?

Strahlen und Lachen das Grauen bricht

 

Aussprachen gibt´s nicht, dein Befehl ist normal?

Mag sinnig fühlen, erwidern von Herzen

Und ist Erpressung für dich legal?

Autsch! Daumenschrauben schmerzen!

 

Nimmst du wahr, was ich tue?

Wenn nicht, LASS MICH IN RUHE! 

 

Ria die Murra, am 14. Juni 2018