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erinnern - gestalten - bewahren

Lyrik 

von Rita Brandenburger-Schift

Seeles Schwingen von Rita Brandenburger-Schift


sanfte segel
 
das leben ätzt mich vehement
die galle spuckt, der magen brennt
doch wie es mich in stücke hackt
lichte wege giftvoll zackt
werd dem monster tanzend trotzen
farbklangfalter zartprall strotzen
sanfte segel vorwärts klingen
um ihm ein lächeln abzuringen
 

 
Geschwätz
 
Hartgummiworte lärmen aufs Glasdach
DOING DOING DOING DOING ...
What do you doing ?!
 
 

 
Baum sein
 
 
Baum sein

unabdinglich
fest verwurzelt am Saum des Waldes
die Äste der Mutter sich neigend
prächtig mit Früchten beschenkt

nie irrend
kein Sehnen noch Geschrei
in weiser Ästhetik
den Wind umärmeln

Baum sein
stehen, beten und schweigen
 

 
Freiheit ist
 
Freiheit ist

Die Konsequenzen tragen
Deiner Entscheidung der 
Möglichkeiten blöd und saublöd
Weil Dir grad nix Besseres eingefallen ist

Im Wahllokal
Only Sau oder Eber,
Kata oder Strophe
Für witzige Abwechslung sorgt

Die Wetterprognose Rückenwind
Dir heftig ins Gesicht peitscht,
Weil Du Dich in die falsche Richtung gestellt hast

ist auch Freiheit
 
 

 
Herz?!
 
Herz?!

Oh Herz gesprungen, zerplatzt, verweht
Mitsamt der Seele durch Höllen gedreht
Fliehst eisern in den tiefsten Grund
Bleierne Tore tun nichts mehr kund

„Geh! Fort! Such nicht hier!”
Stiert leblos die verschlossene Tür
„Nein!“ schreits, als Du `s doch gesehn
Dunkle Wärter eisern stehn

Wildes Wehren , Zorn vollführt
Wie Du trotz allem es berührt
Aus tiefsten Gründen muss es regen
Sich ans Tageslicht bewegen

Die Ruhe die dort unten staubt
Der Vita nur den Atem raubt
Und wie es nun zu pochen wagt
Das Leben jetzt sein Recht einklagt
 
 

 
MISSVERSTÄNDNIS
Akrostichon 
M it seinem Auto fährt er
I rgendeine Straße entlang
S ie kommt ihm mit ihrem Wagen die
S elbe Straße entgegen
V oll in Fahrt kurbelt sie 
E ifrig das Seitenfenster herunter und
R uft: Schwein!
S ogleich lehnt er sich 
T otal erstaunt
A us dem Fenster und
E rwidert ihr
N achdrücklich: Zicke!
D ie beiden fahren weiter
N ach hundert Metern biegt er
I n die Seitenstraße und prallt voller Wucht gegen ein -
S chwein
 
 

 

Liebeszauber
erhebst
hell
lustvoll
wärmend
sanftmütig
aus meinen tiefen
herzenslichterglocken
frei

   Der eitle Frosch

Es lebt im Moor ein eitler Frosch
Der lobt sich sehr, bis auf die Gosch
Weil er nun Fotos von sich liebt
Der Fotograf den Rat ihm gibt:
Fürs süße Mäulchen wunderbar
Sag “Konfitüre” in die Kamera
Er wässert, putzt und scheitelt sich
Find` sich unverbesserlich
Der Knipsmann ruft ihn an den Ort
Frosch kommt sogleich und denkt: das Wort?
Es war was Süßes, das ist klar
Und fertig ist die Kamera
Der Frosch possierlich zur Parade
Im klick - im Blitz- ruft “Marmelade”    


Frieden?!

R ichard lacht mit Yokaida
I ngo gibt Jean-Paul die Hand
T urkans Sinn fliegt zu Maraika
A ndrej, John, im Freundschaftsband

A lle Stimmen dürfen reden
T at und Kraft dem Friedensbaum
I rrer Schein darf nie mehr leben -
R uhig, ruhig ihr Leut` - ´s war nur ein Traum   


Sommerschwitze  

Hitze Hitze
Schwitze Schwitze
Flitze Hüpfe
Sommerpfütze
Coole Sule
Wohle Fuhle
Hmmm Eis Eis
Runterschmeiss...
So´n Scheiss   


Kind, wo ist Dein Platz? 

Kind, wo ist Dein Platz?
Wo Maß und Stempel Hoch-Zeit feiern
                       “Kind oh Gott, nix passt und sitzt ...”
Als DIE Philosophie im Ratiotraum
                       “Kind, das Luftschloss hat die Katz gefressen ...”
Soll und Haben Leben nährt
                       “Schaff was Kind, von nix kommt nix!  “
Kalkulation in Perfektion
                       “Kind  beeil Dich, Zeit ist Geld! “
Kultur des Ego Ich
                       “Herrje Kind gib a Ruh! “
Gerade Spalte im exakten Planquatrat
                      “Herrgottsack, Kind Du schon wieder! “
            (Menschen)Kind wo ist Dein Platz?!    


Billys Malheur 

Billy schlendert um die Hecken
Hände in den Taschen stecken
Der Knabe ist in bester Laune
Klebt Kaugummi am nächsten Zaun
Kunze, dem der Zaun gehört
kommt ums Eck und guckt verstört
„Du Rotzbua, Lümmel, Lausbub, Tropf!“
brüllt Kunz und reist Bills Mütz vom Kopf
„Verschandeltst mir mein Zaun gar sehr,
Dein Mützzeug kriegst jetzt nimmermehr!“
Oh je, oh Kraus oh Riesenschreck
Läuft Billy fliehend ins Versteck
Jetzt klotzt der Junge und denkt: „Grass!
Mein bestes Stück, warum nur das?!“
Er will sie wieder irgendwie
Grübelt, denkt: welch Strategie?
Da kommt ihm ein Gedanke her
Der Kunze liebt sein Zeugs so sehr
Ob Garten, Auto oder Haus
Verhätschelt er Tag ein , Tag aus
Billy will ihm eines basteln
DIE Maschine zum entlasten
Auto waschen, Rasen mähen
Zaun anstreichen, Blumen säen
Und Billy hat nicht lang gefackelt
In die Werkstatt er schnell zackelt
Hebel, Drähtchen, Farbe, Brett
Ruck-Zuck ist die Maschin komplett
Sehr stolz auf sein Gebilde nun
Will er es schnell zu Kunze tun
Er stellt den Knopf ganz fix auf : AN
Quitsch, Ächts und Stöhn beginnt´s sodann
Der Kunze kommt und sieht´s erregt
Was die Maschin vorm Haus bewegt
Sich langsam zu dem Auto schleicht
Und dies mit weißer Farb anstreicht
Und dann, oh schreck fährt sie grad weiter
Schäumt ein den Rasen immer heiter
Als nächstes haut sie nicht zu knapp
Den Tulpen alle Köpfe ab.
Oh nein, denkt Billy, Riesenkrauss
Ich muss es stoppen und drückt: AUS
Mit roter Birne will er fliehen
Sich schneller Kunzes Blick entziehen
Wie er will schnappen seinen Kasten
Hurtig um die Ecke hasten
Hört er des Kunzes Stimme schrein
„Bleib doch stehn, Bub, halte ein!
Deine Mütze geb ich Dir
Selten lacht ich so wie hier!“

  

Die Kerze
Die Kerze
Hier
Kunstvoll erschienen
Tänzelt weltoffen in den Launen der Atmosphäre
Sprüht glänzend farbenprächtige Helligkeit
Und zieht mit einnehmender Wärme alle in ihren Bann
Wunderschön, stolz das Haupt in den Himmel gestreckt
Lässt niemals Dunkelheit zu
Kennt keine Kälte
Trotzt aller Traurigkeit
Lebt in glühend-scheinender Liebe
Sie lehrt uns Hoffen im ewigen Kontrastprogramm
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